mit Illustrationen von Robert Floch
Literaturedition Niederösterreich 2008,
geb., 82 Seiten

Innenbilder in Farbe

Wenn Lyrik zum Bild wird und ein Bild Lyrik evoziert, ist das nicht Neues. Hier aber wird die karge Deutlichkeit des Dichters Robert Lax den interpretierenden Szenen Edward Hoppers gegenüber gestellt und daraus entsteht ein völlig neues Werk.

Eine Steigerung erfährt diese poetische Auseinandersetzung Peter Miniböcks noch, weil sich der Maler Robert Floch auf diesen Dialog mit reduzierter Farbpalette einließ. Man muss Hoppers Bilder nicht vor sich haben, um Peter Miniböck in die intimen Szenen folgen zu können. Spannend ist allemal, wie er sich in drei Schritten beiden Künstlern, dem Maler und dem Dichter, nähert, und trotz dieses eng gezogenen Rahmens eine eigene Stimme erhebt. Peter Miniböck, Jahrgang 1946, schreibt seit vielen Jahren, hat 1989 den Anerkennungspreis für Literatur des Landes NÖ bekommen, Robert Floch begann seine Künstlerische Ausbildung 1986 und stellt seit 1994 im In- und Ausland aus.
Sowohl die Lyrik als auch die sehr komprimierten Prosasplitter sind streng formal aufgebaut: die erste Version folgt Hopper, die zweite lässt sich auf Lax ein, im dritten Textkörper werden die Elemente neu geordnet, angereichert, wird exzerpiert, seziert, eine Sicht geschaffen, die sowohl den Farben als auch den Klängen gerecht wird und doch eigenständig besteht.

Ein Beispiel: in High Noon I nach Edward Hopper:
wann ist mittag
wenn das haus grellweiß aufleuchtet

wird nach Robert Lax in high Noon II zu:
blendend weiß steht es da
doch nicht ohne schuld

Das Außenbild wird mit einer Geschichte konfrontiert, die Frau, die Hopper als Einsame in die offene Tür stellt, wird zu einer, der die Stimme abhanden gekommen ist und in High Noon III in der Verschmelzung wird der Betrachter mit hinein gezogen, ein Versuch der Verankerung, um die Isolation zu durchbrechen.
Subtil, manchmal in großen Bögen nähert sich Peter Miniböck seinen Vorlagen, die abstrakten Farbräume und Blöcke Robert Flochs verstärken die Impressionen. Hier werden wir Zeuge eines Dialogs zu Viert zwischen Lebenden und Toten. Manchmal allerdings wäre ich neugierig auf einen Kontrapunkt, auf einen Querschuss von Miniböck, um das allzu sorgsam gewebte Muster zu stören.

Ein aufwändig gemachtes Buch, das auch Lust macht, den viel zu wenig bekannten Robert Lax wieder zu entdecken, die kleinformatigen Bilder Edward Hoppers einmal auf sich selbst zu beziehen und sich danach wieder den zwei lebenden Künstlern Miniböck und Floch zuzuwenden.

B.K.
Veröffentlicht in PODIUM 2009